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Georg Lutz
April 19, 2010, 1:21 pm
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Georg Lutz “Die zerlegte Jungfrau”
08. bis 29. Mai 2010

Nitroverdünnung gehört auf den Recyclinghof (Zu den Arbeiten von Georg Lutz) Olfaktorisch eine Belästigung und gesundheitsschädlich ist die Arbeit mit Nitroverdünnung. Dieses Lösemittel gehört eigentlich in die Farbenfabrik. Gasmaske und Gummihandschuhe sind notwendig. Die Nitrofrottage – ein gedrucktes Motiv wird mit Nitroverdünnung auf einen Bildträger durchgerieben, was eine verschwommene, etwas blasse, seitenverkehrte Kopie des Ausgangsbildes ergibt – wurde erstmals prominent von Robert Rauschenberg eingesetzt, konnte sich aber als künstlerische Technik nie wirklich durchsetzen.
Georg Lutz geht von der Nitrofrottage aus, setzt sie aber eher selten ein. Er benutzt die Nitroverdünnung um gefundene Bildmotive zu zerstören. So überklebt er große Teile von Fotografien aus Illustrierten mit Tesafilmstreifen. Dann wischt er mit Nitroverdünnung über das Bild, so dass an den tesafilmfreien Stellen die Druckfarbe verwischt oder ganz weggewischt wird. Unter dem Tesafilm bleiben die Bildfragmente perfekt erhalten. Mit klar gesetzten Linien eines Kugelschreibers wird dann wieder ergänzt: Destruktion und Wiederherstellung. Das Ergebnis ist gleichzeitig malerisch-verwischt und grafisch-klar.
Georg Lutz bleibt meist im kleinen Format. Auch eigene Fotografien können Ausgangsmaterial sein. Sie werden mehrmals in verschiedenen Graustufen ausgedruckt. Ein Ausdruck wird nitrofrottiert, mit Tesafilmstreifen überklebt und mit Nitroverdünnung überwischt. Dieses Procedere wiederholt sich mit den anderen Ausdrucken, bis der Künstler entscheidet, dass es gut ist. Eventuell wird mit einer Kugelschreiberzeichnung noch präzisiert. In einem anderen Werkbeispiel wird das Bildmotiv mit breiten Klebebandstreifen überklebt, diese werden wieder abgerissen, Teile der Fotografie werden mit abgerissen, Anderes bleibt stehen. Zufall oder zielgerichtetes Vorgehen? Der Arbeitsprozess bei Georg Lutz ist immer mehrteilig. Ein gefundenes Bildmotiv wird eingespannt zwischen die Pole Zerstörung und wieder neu erschaffen. Technische Parameter sind: Frottieren, aufkleben, überkleben, abreißen, abwischen, zeichnend ergänzen. So entstehen viele kleine Arbeiten. Die Kraft des Zufalls wirkt gestaltend mit, der Künstler ist Schöpfer und Beobachter in einem. Hermann Werner


http://www.einskommavier.com/GeorgLutz1.html

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